Sonderausstellung

Pferd und Krieg

25. Juni 2014 bis 26. Oktober 2014

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal. Aus disem Anlass widmet sich die neue Ausstellung des Westfälischen Pferdemuseums einem bisher wenig beachteten, aber nicht minder wichtigen Protagonisten des Krieges: dem Pferd. Kein anderes Tier spielte eine so zentrale Rolle im Kriegsgeschehen. Über tausende von Jahren war es in den unterschiedlichsten Funktionen das wichtigste Tier für Einsätze im Krieg.
Mit dem Hauptfokus auf den Ersten und Zweiten Weltkrieg zeigt die Ausstellung, unter welchen extremen Bedingungen Pferde, aber auch andere Tiere im Krieg „funktionieren“ mussten. Wo liegt die Grenze zwischen Lebewesen und „Gebrauchsobjekt”? Was macht ein gutes Kriegspferd aus? Und was geschah mit den verletzten Pferden?

Kooperationspartner der Ausstellung ist das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden.
Zur Ausstellung ist ein gleichnamiges Begleitbuch erschienen. 

Die Ausstellungseröffnung fand am 24. Juni 2014 statt. 150 Gäste, darunter Kooperationspartner Prof. Dr. Oberst Matthias Rogg, Schirmherr Rudolph Herzog von Croy und die beiden
ehemaligen Kavalleristen Paul Stecken und Hans-Heinrich von Loeper warfen einen ersten
Blick auf die Ausstellung. Die positive Resonanz war überwältigend! Die Bilder zur
Eröffnungsveranstaltung finden Sie hier

 

Die Ausstellung

Mosaik der Alexanderschlacht

Pferde in der Geschichte des Krieges

Eine Zeitleiste zeigt historische Beispiele für die Bedeutung des Pferdes im Krieg von der Antike bis zu den Befreiungskriegen. Der geschichtliche Längsschnitt vermittelt die unterschiedlichen Verwendungen des Pferdes im Krieg und die Auswirkungen des technologischen Fortschritts auf Pferd und Reiter.

Russischer Panzersprenghund, 1942

Tierische Soldaten 

Auch wenn das Pferd im Zentrum des Kriegsgeschehens stand, wurden viele weitere Tiere zu militärischen Zwecken genutzt und missbraucht. Die Rede ist von Biene, Taube, Hund oder Delfin. Beim Einsatz der verschiedenen Tiere waren die Militärs stets besonders erfindungsreich, wobei sowohl natürliche Eigenschaften als auch antrainierte Fähigkeiten der Tiere eine Rolle spielten. Ein Highlight der Austellung: Das erst kürzlich gefundene Skelett einer Spionage-Taube aus England, das weltweit für Schlagzeilen sorgte. Der gefiederte Veteran wird erstmals in einer Ausstellung gezeigt. 

Pferdemusterung in Solingen, Erster Weltkrieg

Ausbildung von Pferd und Reiter

Bis ein Pferd im Krieg eingesetzt werden konnte, vergingen etliche Jahre. Die Ausbildung der jungen Nachwuchspferde, der Remonten, verlief möglichst schonend und behutsam. Die Besucher lernen das „ideale“ Kavalleriepferd kennen und können seinen Werdegang bis zum Truppeneinsatz verfolgen. Den Erfolg der militärischen Ausbildung zeigt ein ganz besonderes Exponat: Präsentiert wird der von Mussolini gestiftete „Coppa d’Oro“, ein aus Gold getriebener Pokal, den deutsche Offiziere 1933 in Rom gewannen.

Heeresschmied der Wehrmacht, 1941

Versorgung der Pferde

Um den „diensttauglichen“ Zustand der Pferde zu erhalten, durfte die richtige Betreuung der Tiere nicht zu kurz kommen. Die Pferdepflege und -versorgung nahm daher einen zentralen Platz im deutschen Militär ein. Es gab genaue Vorschriften, die die Betreuung und „Wartung“  der Tiere festlegte: Von der angemessenen Unterkunft über das richtige Putzen bis hin zur Pflege der Hufe. Den Besuchern wird historisches Putzzeug und eine originale Feldschmiede aus dem Zweiten Weltkrieg präsentiert.  

Transport mit Pferdewagen, 1942

Pferd und Transport

Im Krieg mussten große Mengen an Material bewegt werden. Unabhängig davon, ob eine Armee auf dem Vormarsch, auf dem Rückzug oder im Grabenkrieg war – Waffen, Munition, Ausrüstung und Versorgungsgüter mussten transportiert werden, um die Soldaten kampffähig zu halten. Das Pferd hatte dabei eine „tragende“ Rolle: Trotz der Konkurrenz durch die Eisenbahnen und Kraftfahrzeuge war es im Kampfgebiet noch immer das zuverlässigste Transportmittel.

Deutsche Kavallerie im Ersten Weltkrieg

Das Pferd als Waffe

Bis ins 19. Jahrhundert hatte das Pferd eine Bedeutung als schlachtentscheidene Waffe. Doch im Ersten Weltkrieg veränderte sich die Rolle der Kavallerie: Die Reiterelite musste vom Pferd „absitzen“ und wie die Infanterie zu Fuß kämpfen. Am Beispiel des Westfälischen Kürassier-Regiments Nr. 4 zeigt die Ausstellung, wie sich die Aufgaben der Reiterei zu Beginn des 20. Jahrhunderts verändert haben. Man erfährt Hintergründe zum Waffengebrauch und Kriegseinsatz der Kürassiere.

Eines des zahlreichen "Blue Cross" Pferdehospitäler

Das verletzbare Pferd  

Kriege fordern Opfer. Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere wurden verletzt oder getötet. Die Ausstellung gibt Einblicke in die schwierige veterinärmedizinische Versorgung von Pferden an der Front und thematisiert die hohen Verluste von Pferden im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Wie waren die Abläufe und Behandlungsmöglichkeiten in Pferdelazaretten? Was waren die Todesursachen von Kriegspferden?

Pferde im chemischen Krieg

Das Pferd im chemischen Krieg

Die Entwicklung von chemischen Kampfstoffen erschloss im Ersten Weltkrieg eine neue Dimension der Kriegsführung: Nicht nur Soldaten, sondern auch Pferde mussten mit Schutzkleidung geschützt werden. Originale Gasmasken aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg vermitteln einen Eindruck von der verheerenden Wirkung chemischer Kampfstoffe – und den Versuch, das Pferd davor zu schützen.  

"She wasn't a horse, she was a marine"
Denkmal für Sgt. Reckless, Virginia

Das Pferd auf dem Heldensockel

Im Krieg bildeten Mensch und Pferd quasi eine Überlebensgemeinschaft. Soldaten hatten oft eine enge emotionale Bindung zu ihrem Tier. In vielen Ländern entstanden Denkmäler zu Ehren der Kavalleriepferde. Mitte der 1930er Jahren wurden Pferde gar mit kleinen Plaketten als „Kriegskamerad“ ausgezeichnet. Eine Auswahl dieser seltenen Ehrenmedaillen für Pferde sowie persönliche Erinnerungsstücke von ehemaligen Kavalleristen sind in der Ausstellung zu sehen. Ein Buch stellt die wichtigsten Denkmäler für Pferde vor.

Max Liebermann: Reiterkampf, 1915

Das geopferte Pferd

Im Zweiten Weltkrieg starben allein auf deutscher Seite über 1,5 Millionen Pferde. Der Umgang mit dem toten Tier war ambivalent. Auf der einen Seite verlor der Reiter sein wichtigstes Kriegsinstrument und vertrautes Tier, auf der anderen Seite wurden die toten Pferde verscharrt oder gegessen. Eine Reihe außergewöhnlicher Lithographien aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts führt die Schrecken des Krieges vor Augen. Darunter auch Bilder aus dem „Stalingrad-Zyklus“ des bedeutenden deutschen Künstlers Otto Herrmann, der damit seine traumatischen Kriegserlebnisse aufarbeitete oder das Werk „Reiterkampf“ von Max Liebermann.

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