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Foto: Gerbling/WPM

Einspänniger Paketpostwagen

„Die Post ist da“ – bis in die 1930er Jahre erfolgte der Transport mit Pferdepostwagen, die es in verschiedenen Ausführungen gab: als Wagen oder Schlitten zur Beförderung von Personen, Paketen und Postsendungen. Der gelbe Kastenwagen in der Ausstellung des Pferdemuseums, der in Dortmund im Einsatz war, wurde in ein- oder zweispänniger Ausführung zwischen 1880 und 1925 hergestellt.
In Münster verwendete man im Ortspostverkehr noch bis 1927 Pferdewagen. Während der Dreißigerjahre lösten Kraftwagen die Pferdepost offiziell ab. In der Nachkriegszeit wurden von Pferden gezogene Wagen zeitweise wieder in Dienst gestellt. Die Basis des Wagens ist original, der Aufbau wurde durch spätere Restaurierungen und neuzeitliche Ergänzungen, wie die Drahtglasfenster, leicht verändert.

Foto: Werner Menzendorf

Das Pferd muss bleiben

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Motorisierungswelle in der Bundesrepublik ein. Im Verkehr und in der Landwirtschaft wurden Kraftwagen angeschafft und immer mehr Pferde auf den Viehmärkten verkauft. Ab 1960 entwickelte sich in Hamm der größte deutsche Pferdemarkt. Über die Hälfte der hier verkauften Pferde landete in französischen und italienischen Kochtöpfen. Zwischen 1958 und 1965 halbierte sich die Zahl der Pferde in Westfalen von 105.276 auf 53.743. Das Pferd drohte aus dem Leben der Menschen zu verschwinden.

Daraufhin veranstaltete der "Hauptverband für Zucht und Prüfung Deutscher Pferde" gemeinsam mit dem "Provinzial-Verband westfälischer Reit- und Fahrvereine" am 15. Mai 1963 unter dem Motto „Das Pferd muss bleiben“ eine Großveranstaltung in den Dortmunder Westfalenhallen. Es wurden verschiedene Rassen vorgestellt und die unterschiedlichen Verwendungsarten präsentiert. In einem Telegramm übermittelte der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke den Teilnehmern die Botschaft: "Einzig und allein der Mensceh entscheidet, ob das Pferd bleiben wird oder nicht. Sollte eines Tages das Pferd verschwinden, so nur durch die Schuld des Menschen."
Seitdem hat sich der Pferdebestand durch den Reitsport wieder stabilisiert. Vor allem in Westfalen gibt es zahlreiche Züchter und fast 600 Reitvereine, die dem Pferd seine Existenz auch in Zukunft sichern werden. Heute leben weltweit etwa 60 Millionen Pferde, davon rund 1,3 Millionen Pferde (Stand: 2019) in Deutschland. Die Pferdepopulation hat sich demnach in den letzten 40 Jahren vervierfacht.

Foto: Peter Thomann

Stute mit Fohlen

Die 1963 von Peter Thomann im Merfelder Bruch fotografierte Szene „Stute mit Fohlen“ ging 1996 als das meistkopierte Foto der Welt in das „Guinnessbuch der Rekorde“ ein. Thomann, zum Zeitpunkt der Aufnahme Anfang 20 und Fotografie-Student an der Folkwangschule in Essen, war damals am richtigen Ort zur genau richtigen Zeit: „Mein Glück war, dass ich im Tausendstel-Sekunden-Augenblick auf den Auslöser gedrückt habe“, berichtet Thomann. So gelang ihm „das perfekte Bild“: weißes Fohlen vor schwarzer Stute, beide Tiere in völliger Harmonie der Bewegung.
Noch im gleichen Jahr gewann er mit seinem Bild den World Press Photo Award in der Kategorie „Features“ und zusätzlich den Preis der Publikumsjury für das beste Foto des Jahres.
„Stute mit Fohlen“ ist seitdem eine „Fotografische Ikone“ (Prof. A. Clemens) und das Motiv weltweit zu finden, vom Kaffeebecher bis zum Bierdeckel. Wie beliebt das Motiv ist, musste Thomann Mitte der 1990er Jahr feststellen. So entdeckte der Fotograf auf einem Parkplatz im US-Bundesstaat Kentucky, dass dort auf allen Autokennzeichen eine Grafik seiner Pferde prangte. Der „Pferdestaat“ Kentucky benutzte das Bild kurzerhand als offizielles Logo – ohne Einverständnis des Urhebers. Thomann verklagte daraufhin den Bundesstaat Kentucky, der das Motiv anschließend von den Autokennzeichen wieder entfernen musste.

Foto: Morsey/WPM

Grubenpferd im Aufzuggeschirr

Pferde wurden erstmals 1835 in Bergwerken eingesetzt, um den Transport von Kohlewagen zu erleichtern. Anfangs waren sie oberirdisch untergebracht und wurden in Hanfnetzen, Gurten und Schlingen täglich in die engen Schächte heruntergelassen und wieder heraufgeholt. Als die Stollen später breiter angelegt waren, wurden sie stehend in Kisten oder Aufzügen nach unten befördert und dort aufgestallt. Pferdejungen und Bezirks-Stallmeister versorgten die Tiere gut. Um in den engen Stollen Verletzungen zu vermeiden, trugen sie Augenschutz, Ohrenschutz und eine Stirnkappe aus Leder oder Hartgummi. Wegen der geringen Querschnitte der Stollen wurden zunächst schottische Ponys eingesetzt, die aber schwer zu beschaffen und nicht leistungsstark genug waren. Nachdem die Förderstollen erweitert worden waren, konnten Pferde von 500 bis 700 kg Gewicht und 155 bis 165 cm Stockmaß eingesetzt werden, zunächst Kreuzungen von Ardenner und Litauer Pferden, später auch Fjordpferde. Auf dem Höhepunkt der Grubenpferd-Ära vor dem Ersten Weltkrieg verrichten allein in den Zechen an der Ruhr mehr als 8.000 vierbeinige Kumpel ihre Arbeit.
Deutschlands letztes Grubenpferd war der Wallach „Tobias“: Er trat am 22. Juni 1966 seine letzte Schicht auf der Zeche General Blumenthal in Recklinghausen an.

Foto: Morsey/WPM

Porträt des Hengstes „Kranich“

Seit Jahrtausenden versucht der Mensch, das Pferd nach seinen Vorstellungen zu formen und zu nutzen. Abhängig davon, ob das Pferd dem praktischen Arbeitsgebrauch oder der adeligen Repräsentation dienen sollte, wechselten die Ansichten über ein „ideales“ Pferd im Laufe der Jahrhunderte. 
Ein berühmtes Beispiel ist der Hengst „Kranich“: Der Apfelschimmel war eines der bekanntesten Pferde im 17. Jahrhundert und das Lieblingspferd des Grafen Anton Günter von Oldenburg (1583 - 1667). Er steht stellvertretend für die Ideale der Barockzeit: Dazu zählte weniger die Rittigkeit als vielmehr ein prestigeträchtiges Äußeres, dargestellt in langer Mähne und langem Schweif. Die Mähne von „Kranich“ maß über zwei Meter, der kunstvoll gelockte Schweif war fast drei Meter lang. "August der Starke" Friedrich August der I. (1670 - 1733) soll 1706 sogar ein Pferd mit einem etwa 7 Meter langen Schweif geritten haben.
Heutzutage findet sich ein ausgeprägtes Mähnenhaar als Zuchtziel beispielsweise noch bei Friesen und Andalusiern.