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Pferdemuseum im Lockdown: Arbeit hinter den Kulissen geht weiter

In rund einem Monat ist Weihnachten. Auf den Wunschzetteln vieler Kinder stehen Spielsachen nach wie vor ganz oben. Gerade bei Mädchen sind dabei Produkte rund ums Thema Pferd beliebt: Die Auswahl reicht von Spielfiguren über Schaukel- und Plüschpferde bis hin zu Malbüchern und Gesellschaftsspielen. Dass Pferde bereits im 19. und 20. Jahrhundert begehrte Spielgefährten für Kinder waren und beinahe so selbstverständlich ins Kinderzimmer gehörten wie Teddybär und Puppe, beweist ein Blick in die Sammlung des Westfälischen Pferdemuseums im Allwetterzoo Münster. Das Museum besitzt eine Reihe von historischen Pferde-Spielzeugen, dazu zählen hölzerne Nachziehpferde, Steckenpferde, sowie Pferdefiguren aus Zinn und Elastolin.
Auch wenn das Museum derzeit für den Publikumsverkehr geschlossen ist, geht die Arbeit insbesondere in der Sammlung weiter: So müssen die verschiedenen Exponate begutachtet, wissenschaftlich dokumentiert und inventarisiert werden. Insgesamt befinden sich rund 40 unterschiedliche Spielzeuge aus der Zeit vom 19. Jahrhundert bis heute in der Sammlung des Pferdemuseums.

Teure Spielzeuge wie fein ausstaffierte Steckenpferde oder kunstvoll gearbeitete Schaukelpferde waren dabei in der Regel den Kindern der gehobenen Schichten vorbehalten, für die arme Bevölkerung waren sie häufig unerschwinglich. Sie mussten sich mit sehr einfachen oder meist selbst gebastelten Spielsachen begnügen.
Wie groß dennoch der Wunsch nach einem Spielzeug-Pferd war, zeigen zwei seltene Figuren aus der Zeit um die Jahrhundertwende, die ein Familienvater vermutlich eigens für seine Kinder angefertigt hat. Sie wurden aus Pappmaché modelliert und anschließend mit Leder überzogen. Um das Spielen noch realistischer zu gestalten, wurden die Pferde mit Zaumzeug und einem Sattel aus Leder versehen. Die beiden außergewöhnlichen Figuren wurden dem Pferdemuseum neben zahlreichen anderen Objekten vor Kurzem von dem Fördervereinsmitglied Dr. Albrecht Wacker als Schenkung übergeben.

Was viele nicht wissen: Während heutzutage vor allem Mädchen mit Pferden spielen, galten Pferde bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem als Jungen-Spielzeug, standen die Vierbeiner doch für Männlichkeit. Gerade im 19. Jahrhundert träumte jeder Junge von einer Dienstzeit bei der Kavallerie, von einem Reitpferd und vom Pferdesport. Daher waren in dieser Zeit Steckenpferde als Kinderspielzeug sehr beliebt, die den Jungen auf spielerische Weise ein erstes Reiterlebnis bescherten. 

Gruß von der Front: Pferdemuseum besitzt Sammlung von Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg

Sie war in der Regel die einzige Verbindung zwischen den Soldaten und ihren Angehörigen: die Feldpost. Allein auf deutscher Seite wurden während des Ersten Weltkrieges etwa 28,7 Milliarden Briefe und Karten von der Feldpost befördert.

Auch das Westfälische Pferdemuseum besitzt eine Reihe von Feldpostkarten aus der Zeit von 1914 bis 1918. Sie werden derzeit von der zuständigen Sammlungsleiterin Maya Kätker aufgearbeitet und inventarisiert. Ein Großteil der Exponate stammt aus dem Nachlass des langjährigen Fördervereinsmitglieds Peter Kizinna aus Münster.

Bei der Transkription der Schriftstücke fällt auf, dass in der Feldpost häufig von Alltäglichem die Rede ist: Was es zu Essen gibt, Fragen nach Neuigkeiten von zu Hause, dem Wetter. Für die Soldaten an der Front diente die Feldpost als Ersatz für den nicht erlebbaren Familienalltag. Die Kriegsereignisse selber wurden in den Briefen und Postkarten, die zwischen Front und Heimat hin und her gingen, kaum thematisiert – Grund hierfür war wohl auch die militärische Zensur der Post. In erster Linie diente der Gruß von der Front als Lebenszeichen für die Daheimgebliebenen und hielt die Hoffnung auf eine gesunde Rückkehr wach.
Zum Beispiel schrieb der Feldwebel-Leutnant Richard Fleischer am 27. November 1915 aus Schoten in Belgien an seine Frau nach Minden in Westfalen: "M(eine) l(iebe) kl(eine) (Fr)au. Mein Urlaub ist genehmigt u. ich werde aller Voraussicht nach am Dienstag den 30.11.15 abends, ich glaube, 11.25 in Minden eintreffen. Wenn (ich) eher komme, schicke ich von Düsseldorf ein Telegramm, also braucht Ihr nicht zu denken, dass es etwas böses ist, wenn Ihr eine Depesche bekommt. Mit 1000 Gr(üßen) + K(üssen) Euer Richard. Auf frohes und gesundes Wiederschauen!"

Neben ihrer Funktion als Kommunikationsmittel stellten die Feldpostkarten aber auch eine kriegsstrategische Taktik dar – sollten sie doch die Kriegsmoral, Solidarität und den Patriotismus der Soldaten stärken. Stichprobenartig wurde kontrolliert, wie die Stimmungslage unter den Soldaten war.
Die Motive der Feldpostkarten waren dabei ausgesprochen vielfältig: von propagandistischen Bildpostkarten, über Amateurfotografien von Soldaten und Berufsfotografen an der Front bis hin zu Motiven der offiziellen fotografischen Kriegsberichterstattung. Die Verwendung von Pferde-Motiven zeigt anschaulich, welche Bedeutung die Tiere im Ersten Weltkrieg hatten: Das Pferd war das häufigste und wichtigste Nutztier an allen Kriegsschauplätzen. Nach Schätzungen wurden von allen teilnehmenden Mächten zwischen 10 und 16 Millionen Pferde eingesetzt: als Kavalleriepferd, als Last- und Zugtier sowie zuletzt als Fleischlieferant. 

Auch heutzutage kommunizieren Soldaten der Bundeswehr im Auslandseinsatz – neben Whats-App und Email – per Feldpost mit ihren Angehörigen zuhause. Laut Bundeswehr leistet "die Feldpostversorgung einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Motivation der Soldaten und damit auch zum Erhalt der Leistungsfähigkeit der Truppe insgesamt."

Foto: Arshdeep Singh / Wildlife Photographer of the Year 2020

"Wildlife Photographer of the Year": die weltbesten Naturfotos zum neunten Mal im Pferdemuseum

Jedes Jahr zeichnet das Londoner Natural History Museum in einem internationalen Wettbewerb die besten Naturfotografien aus. Der Titel "Wildlife Photographer of the Year" gilt als einer der wichtigsten und begehrtesten Preise für Naturfotografen. Seit seiner Premiere im Jahr 1964 verfolgt der Wettbewerb das Ziel, ein Bewusstsein für die Schönheit der Welt zu schaffen. Gleichzeitig sind die preisgekrönten Fotos ein eindringlicher Appell, verantwortungsvoll mit der Natur und ihren Lebewesen umzugehen.

An dem diesjährigen Wettbewerb beteiligten sich Fotografen aus 86 Ländern mit fast 50.000 Aufnahmen: Von Pflanzenporträts, Unterwasserwelten über Tierfotografien bis hin zu Luftaufnahmen – die Bandbreite der eingereichten Bilder ist groß und deckt alle Aspekte der Natur ab. Eine Jury aus internationalen Experten wählt daraus die 100 besten Motive aus, die anschließend als Wanderausstellung auf große Welttournee gehen. Vom 28. November 2020 bis 5. April 2021 zeigt das Westfälische Pferdemuseum im Allwetterzoo Münster die Ausstellung mit allen 100 ausgezeichneten Fotos – als erstes Museum in Deutschland.

Die offizielle Bekanntgabe der Gewinner findet erst Mitte Oktober in London statt, doch schon jetzt gibt es einen ersten Vorschmack auf die diesjährige Ausstellung. So gehört zu den Preisträgern das seltene Porträt eines Rotschenkligen Kleideraffen, aufgenommen von dem jungen indischen Naturfotografen Arshdeep Singh. Der ausschließlich in Vietnam, Laos und Kambodscha vorkommende Langur ist durch den Verlust des Lebensraums, durch Bejagung und durch den Tierhandel bedroht. Er lebt hauptsächlich in den Kronen der Bäume – was es schwierig macht, ihn zu fotografieren. Doch Arshdeep hatte Glück und ihm gelang diese unvergessliche Aufnahme, als der Langur ihn für eine Sekunde ansah.

Die weiteren Siegerfotos werden am 13. Oktober 2020 bei der offiziellen Preisverleihung im Natural History Museum vorgestellt, in diesem Jahr zum ersten Mal nur virtuell. Ab dem 28. November 2020 sind dann alle 100 "Wildlife Fotografien des Jahres" in einer Ausstellung im Westfälischen Pferdemuseum zu bewundern.

Foto: Marc Rühl

Pferdemuseum erinnert an berühmtes Rennpferd "Lando"

Es war eine kleine Sensation: "Lando" vom Gestüt Hof Ittlingen im westfälischen Werne gewann 1995 als erstes und bisher einziges deutsches Pferd den Japan Cup, das zu der Zeit höchstdotierte Pferderennen der Welt. Der fünfjährige Hengst siegte vor 180.000 begeisterten Zuschauern auf der Rennbahn in Tokio souverän mit zwei Längen Vorsprung und verwies die Konkurrenz auf die hinteren Plätze. Als Sieger erhielt er die Rekord-Gewinnsumme von umgerechnet 2.734.872 Deutsche Mark. "Lando" feierte damit einen der größten Erfolge der deutschen Vollblutzucht.
Das Westfälische Pferdemuseum Münster lässt nun in einer kleinen Ausstellung das "Wunder" von Lando wieder aufleben: Vom 29.08. bis 18.10.2020 werden einige ausgewählte Exponate rund um den sensationellen Sieg von "Lando" im Japan Cup präsentiert. Die Besucher erleben ein Stück Rennsport-Geschichte und erfahren viele spannende Details aus der Karriere des zweimaligen Galopper des Jahres.
Das besondere Highlight der Inszenierung ist die kunstvoll gearbeitete Dermoplastik des 2013 verstorbenen Hengstes – sie setzt dem Ausnahmepferd "Lando" ein würdiges Denkmal. 

"Wir sind froh, dass wir auch in Corona-Zeiten, in denen das Geld mehr als knapp ist, eine attraktive Abwechslung für unsere Besucher anbieten können", so Museumsleiterin Sybill Ebers, "diese schwierigen Zeiten machen Museen und andere Kulturschaffende überaus kreativ, und das ist positiv zu sehen!"

Münsteraner Geschäftsmann Franz-Josef Görtz stiftet dem Pferdemuseum eine Videoinstallation

Das Westfälische Pferdemuseum zeigt in seiner Dauerausstellung seit Kurzem die originalen Filmaufnahmen der legendären Veranstaltung „Das Pferd muss bleiben“. Die Großkundgebung fand am 15. März 1963 in der Dortmunder Westfalenhalle statt – in einer Zeit, in der durch die Motorisierungswelle viele Pferde überflüssig wurden und in großer Zahl in Schlachthäusern verschwanden. Franz-Josef Görtz, Münsteraner Kaufmann und Filmemacher, hat den Film vor fast 60 Jahren gemeinsam mit Karl-Heinz Kerst und Werner J. Sommerhage gedreht. Es war eine Auftragsarbeit für den „Hauptverband für Zucht und Prüfung Deutscher Pferde (HDP)“.

Durch einen Presseartikel wurde der heute 93-jährige Franz-Josef Görtz auf den Film im Pferdemuseum aufmerksam. Er nahm Kontakt zur Museumsleiterin Sybill Ebers auf und erfuhr, dass der Film aus Kostengründen bislang ohne Ton in der Ausstellung lief. Spontan bot er an, eine moderne Videoinstallation mit Ton zu finanzieren. Denn der Kommentator des Films ist kein Geringerer als Hans-Heinrich Isenbart, die berühmte „Stimme des Pferdesports“. Das Projekt wurde schnell umgesetzt: „Das Pferd muss bleiben“ ist ab sofort mit den Original-Kommentaren Isenbarts im Pferdemuseum zu sehen und zu hören. Görtz besuchte nun das Pferdemuseum persönlich, und freute sich, dass mit „seinem“ Film in der neuen Videostation ein Stück hippologische Zeitgeschichte wieder lebendig wird. Zum Termin brachte er seine originale alte 16 mm-Kamera mit, die er damals in Dortmund nutzte.

Auch Sybill Ebers freut sich sehr über die neue Attraktion, die trotz Corona-Schutz-Maßnahmen hoffentlich viele Besucher ins Museum lockt: „Dank der großzügigen Spende von Franz-Josef Görtz und seinen Filmaufnahmen erhalten unsere Besucher Einblicke in eine für den Pferdesport einzigartige Veranstaltung. Wir sehen die Aktion „Das Pferd muss bleiben“ als einen wichtigen Wendepunkt in der Pferdeära: Das Pferd als Arbeitstier wurde überflüssig und gewann neue und große Bedeutung als Begleiter des Menschen im Sport- und Freizeitbereich. Bis heute!“