Endlich ist es soweit: Am Montag, 8. März 2021, öffnet das Westfälische Pferdemuseum wieder seine Türen. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, war es seit dem 2. November 2020 und damit mehr als vier Monate für den Publikumsverkehr geschlossen. „Mit der Wiedereröffnung wird dann auch erstmals unsere Sonderausstellung Wildlife Photographer of the Year für Besucher zu sehen sein“, so Museumsleiterin Sybill Ebers. „Glücklicherweise kann die Ausstellung, die eigentlich nur bis zum 5. April 2021 gezeigt werden sollte, voraussichtlich bis zum Sommer verlängert werden.“
Allerdings gelten zum Schutz vor Covid-19 weiterhin die bekannten Hygiene- und Abstandsregeln: So darf sich nur eine begrenzte Personenzahl gleichzeitig im Museum aufhalten, die Touchscreens und alle anderen interaktiven Tastobjekte in der Ausstellung sind aus Hygienegründen abgesperrt. Veranstaltungen finden derzeit nicht statt. Sowohl für die Dauer- als auch für die Sonderausstellung gibt es eine vorgegebene Wegeführung, so dass der Besucherstrom in eine Richtung gelenkt wird und es nicht zu Staueffekten kommt. Die Besucher sind gebeten, bei ihrem Rundgang durch das Museum die erforderlichen Abstände von 1,5 bis 2 Metern und die üblichen Hygieneregeln zu wahren (Husten und Niesen nur in die Armbeuge; Hände vom eigenen Gesicht fernhalten; gründlich und regelmäßig Händewaschen; Berührung anderer Menschen vermeiden). Die Handdesinfektion vor Betreten des Museums und das Tragen eines medizinischen Mundschutzes im Eingangsbereich und allen geschlossenen Räumen ist für alle Besucher verpflichtend.
Sybill Ebers zeigt sich begeistert: „Was wir vor ein paar Tagen noch nicht gedacht haben, wird jetzt Wirklichkeit: Die Öffnung des Museums für das Publikum. Es wird sicherlich noch Wochen und Monate dauern, bis wir die Normalität und das Vertraute wiedergewonnen haben. Die Wiedereröffnung der Museen macht aber deutlich, dass wir den Weg dahin beginnen. Darüber und auf unsere Besucher freuen wir uns sehr!“
Pferdemuseum erhält historische Hufeisen aus der Sammlung des LWL-Museums für Kunst und Kultur
Das Westfälische Pferdemuseum ist seit rund vier Monaten geschlossen. Doch der interne Betrieb läuft auch ohne Besucherverkehr weiter. „Trotz des Lockdowns sind wir gut beschäftigt“, so Museumsdirektorin Sybill Ebers. „Insbesondere die Objekte in unserer Sammlung, zu denen regelmäßig neue Stücke hinzukommen, müssen aufgearbeitet, systematisiert und digitalisiert werden.“ Erst kürzlich erhielt das Westfälische Pferdemuseum eine umfangreiche Schenkung vom LWL-Museum für Kunst und Kultur: Es handelt sich um ein Konvolut von Hufeisen und Sporen vorwiegend aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Ein Großteil davon wurde in Münster gefunden. Seit über 80 Jahren waren die Stücke im Landesmuseum magaziniert und ziemlich eingestaubt.
Da das Museum für Kunst und Kultur auf absehbare Zeit keine Verwendung für die Exponate hat, fragte man kurzerhand das Pferdemuseum, ob es die ungewöhnliche Sammlung übernehmen wolle. Mit Erfolg: Seit Februar befinden sich die historischen Hufeisen nun im Bestand des Pferdemuseums und werden in den nächsten Wochen Stück für Stück inventarisiert und wissenschaftlich aufgearbeitet. „Die Hufeisen und Sporen sind nicht nur aus hippologischer Sicht interessant, sie spiegeln auch die Bedeutung der Pferde in der Stadtgeschichte Münsters wider“, freut sich Sybill Ebers.
Die Hufeisen hatte man um 1890 beim Bau der Kanalisation an der Ludgeristraße / Ecke Marievengasse ausgegraben. Sie lagen rund 2,50 Meter unter dem bestehenden Straßenpflaster in einer Schicht aus Geröll. Nach Angaben des LWL-Museums für Kunst und Kultur vermutet man, dass sich im 15. / 16. Jahrhundert an dieser Stelle eine Schmiede befand. Nach dem Lockdown wird eine Auswahl der Hufeisen im Westfälischen Pferdemuseum zu sehen sein.
Ausstellung "Wildlife Photographer of the Year" steht in den Startlöchern – Bildpaten gesucht!
Das Westfälische Pferdemuseum Münster ist wie viele andere Kultureinrichtungen seit dem 2. November 2020 geschlossen. Dies betrifft auch die aktuelle Sonderausstellung Wildlife Photographer of the Year, die eigentlich am 28. November 2020 eröffnet werden sollte. Präsentiert werden die hundert Gewinnerbilder des weltweit größten und bedeutendsten Wettbewerbs für Naturfotografie, seit 1965 jährlich ausgerichtet vom renommierten Natural History Museum in London.Doch durch die coronabedingte Schließung des Museums ist die Ausstellung zurzeit menschenleer, kein Besucher weit und breit.
Für alle, die es nicht abwarten können, die diesjährige Ausstellung zu sehen, gibt es einen kleinen Trost: Ab sofort hat jeder die Möglichkeit, sich die hundert prämierten Naturfotos digital und von zuhause aus auf der Homepage des Natural History Museum unter www.nhm.ac.uk/wpy/gallery anzuschauen.
Und auch wenn Sie die Ausstellung aufgrund der angeordneten Schließung leider nicht vor Ort genießen können, können Sie das Museum mit der Übernahme einer Bildpatenschaft in dieser schwierigen Situation unterstützen. Suchen Sie sich hierfür auf unserer Homepage einfach Ihr persönliches „Patenkind“ aus und füllen Sie dann die Patenschaftserklärung aus. Für nur 50 Euro können Sie Bildpate werden und helfen so dem Pferdemuseum dabei, die finanziellen Einbußen zu kompensieren, die mit der anhaltenden Schließung verbunden sind.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Pferdemuseum im Lockdown: Arbeit hinter den Kulissen geht weiter
In rund einem Monat ist Weihnachten. Auf den Wunschzetteln vieler Kinder stehen Spielsachen nach wie vor ganz oben. Gerade bei Mädchen sind dabei Produkte rund ums Thema Pferd beliebt: Die Auswahl reicht von Spielfiguren über Schaukel- und Plüschpferde bis hin zu Malbüchern und Gesellschaftsspielen. Dass Pferde bereits im 19. und 20. Jahrhundert begehrte Spielgefährten für Kinder waren und beinahe so selbstverständlich ins Kinderzimmer gehörten wie Teddybär und Puppe, beweist ein Blick in die Sammlung des Westfälischen Pferdemuseums im Allwetterzoo Münster. Das Museum besitzt eine Reihe von historischen Pferde-Spielzeugen, dazu zählen hölzerne Nachziehpferde, Steckenpferde, sowie Pferdefiguren aus Zinn und Elastolin. Auch wenn das Museum derzeit für den Publikumsverkehr geschlossen ist, geht die Arbeit insbesondere in der Sammlung weiter: So müssen die verschiedenen Exponate begutachtet, wissenschaftlich dokumentiert und inventarisiert werden. Insgesamt befinden sich rund 40 unterschiedliche Spielzeuge aus der Zeit vom 19. Jahrhundert bis heute in der Sammlung des Pferdemuseums.
Teure Spielzeuge wie fein ausstaffierte Steckenpferde oder kunstvoll gearbeitete Schaukelpferde waren dabei in der Regel den Kindern der gehobenen Schichten vorbehalten, für die arme Bevölkerung waren sie häufig unerschwinglich. Sie mussten sich mit sehr einfachen oder meist selbst gebastelten Spielsachen begnügen. Wie groß dennoch der Wunsch nach einem Spielzeug-Pferd war, zeigen zwei seltene Figuren aus der Zeit um die Jahrhundertwende, die ein Familienvater vermutlich eigens für seine Kinder angefertigt hat. Sie wurden aus Pappmaché modelliert und anschließend mit Leder überzogen. Um das Spielen noch realistischer zu gestalten, wurden die Pferde mit Zaumzeug und einem Sattel aus Leder versehen. Die beiden außergewöhnlichen Figuren wurden dem Pferdemuseum neben zahlreichen anderen Objekten vor Kurzem von dem Fördervereinsmitglied Dr. Albrecht Wacker als Schenkung übergeben.
Was viele nicht wissen: Während heutzutage vor allem Mädchen mit Pferden spielen, galten Pferde bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem als Jungen-Spielzeug, standen die Vierbeiner doch für Männlichkeit. Gerade im 19. Jahrhundert träumte jeder Junge von einer Dienstzeit bei der Kavallerie, von einem Reitpferd und vom Pferdesport. Daher waren in dieser Zeit Steckenpferde als Kinderspielzeug sehr beliebt, die den Jungen auf spielerische Weise ein erstes Reiterlebnis bescherten.
Gruß von der Front: Pferdemuseum besitzt Sammlung von Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg
Sie war in der Regel die einzige Verbindung zwischen den Soldaten und ihren Angehörigen: die Feldpost. Allein auf deutscher Seite wurden während des Ersten Weltkrieges etwa 28,7 Milliarden Briefe und Karten von der Feldpost befördert.
Auch das Westfälische Pferdemuseum besitzt eine Reihe von Feldpostkarten aus der Zeit von 1914 bis 1918. Sie werden derzeit von der zuständigen Sammlungsleiterin Maya Kätker aufgearbeitet und inventarisiert. Ein Großteil der Exponate stammt aus dem Nachlass des langjährigen Fördervereinsmitglieds Peter Kizinna aus Münster.
Bei der Transkription der Schriftstücke fällt auf, dass in der Feldpost häufig von Alltäglichem die Rede ist: Was es zu Essen gibt, Fragen nach Neuigkeiten von zu Hause, dem Wetter. Für die Soldaten an der Front diente die Feldpost als Ersatz für den nicht erlebbaren Familienalltag. Die Kriegsereignisse selber wurden in den Briefen und Postkarten, die zwischen Front und Heimat hin und her gingen, kaum thematisiert – Grund hierfür war wohl auch die militärische Zensur der Post. In erster Linie diente der Gruß von der Front als Lebenszeichen für die Daheimgebliebenen und hielt die Hoffnung auf eine gesunde Rückkehr wach. Zum Beispiel schrieb der Feldwebel-Leutnant Richard Fleischer am 27. November 1915 aus Schoten in Belgien an seine Frau nach Minden in Westfalen: "M(eine) l(iebe) kl(eine) (Fr)au. Mein Urlaub ist genehmigt u. ich werde aller Voraussicht nach am Dienstag den 30.11.15 abends, ich glaube, 11.25 in Minden eintreffen. Wenn (ich) eher komme, schicke ich von Düsseldorf ein Telegramm, also braucht Ihr nicht zu denken, dass es etwas böses ist, wenn Ihr eine Depesche bekommt. Mit 1000 Gr(üßen) + K(üssen) Euer Richard. Auf frohes und gesundes Wiederschauen!"
Neben ihrer Funktion als Kommunikationsmittel stellten die Feldpostkarten aber auch eine kriegsstrategische Taktik dar – sollten sie doch die Kriegsmoral, Solidarität und den Patriotismus der Soldaten stärken. Stichprobenartig wurde kontrolliert, wie die Stimmungslage unter den Soldaten war. Die Motive der Feldpostkarten waren dabei ausgesprochen vielfältig: von propagandistischen Bildpostkarten, über Amateurfotografien von Soldaten und Berufsfotografen an der Front bis hin zu Motiven der offiziellen fotografischen Kriegsberichterstattung. Die Verwendung von Pferde-Motiven zeigt anschaulich, welche Bedeutung die Tiere im Ersten Weltkrieg hatten: Das Pferd war das häufigste und wichtigste Nutztier an allen Kriegsschauplätzen. Nach Schätzungen wurden von allen teilnehmenden Mächten zwischen 10 und 16 Millionen Pferde eingesetzt: als Kavalleriepferd, als Last- und Zugtier sowie zuletzt als Fleischlieferant.
Auch heutzutage kommunizieren Soldaten der Bundeswehr im Auslandseinsatz – neben Whats-App und Email – per Feldpost mit ihren Angehörigen zuhause. Laut Bundeswehr leistet "die Feldpostversorgung einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Motivation der Soldaten und damit auch zum Erhalt der Leistungsfähigkeit der Truppe insgesamt."